Interview  mit dem/der bayerischen Staatsminister/Staatsministerin für
Unterricht und Kultus
Mai 2011 (richtig gelesen: zweitausendundelf)

Der geneigte Leser möge bedenken, dass in diesem Gespräch alles, aber auch wirklich alles frei erfunden ist,
denn dies Gespräch hat noch gar nicht stattgefunden.
Wir sind aber sehr sicher, dass es stattfinden wird!

(Allerdings können wir nicht mit Sicherheit voraussagen, wer dann zuständig ist. Die Fotomontage zeigt aber deutlich, dass wir mit dem Schlimmsten rechnen!)

Abiturientenflut drängt in die Universitäten und auf den Lehrstellenmarkt.
Websatiren führte ein Gespräch mit dem bayerischen Kultusminister/in
(Der Einfachheit halber folgend nur "Minister" genannt)

Websatiren:
Minister, zum Ende des Schuljahres 2011 drängen voraussichtlich 71.000 Abiturienten in die Uni's und auf den Lehrstellenmarkt.
Minister:
Ja, und wir sind stolz, dass es wieder einmal die bayerischen Schüler sind, die mit dieser deutlichen Überzahl nicht nur ihr Abitur, sondern ein hervorragendes Abitur geschafft haben, was aber in erster Linie ein Erfolg der bayerischen Schulpolitik ist.
Websatiren:
Sagt sich so leicht. Ist es nicht eher so, dass in diesem Jahr (2011) zwei komplette Jahrgänge in die freie Wildbahn entlassen werden?
Minister:
Wo haben Sie Mathematik gelernt? Wie können in einem Jahr zwei Jahrgänge entlassen werden? Das ist doch wieder so eine publizistische Aktion, für die Ihr Blatt ja seit eh und je bekannt ist.
Websatiren:
Sehr schmeichelhaft, aber uns ist eingefallen, dass in diesem Jahr die von Ihnen so genannte G8-Regelung zum Tragen kommt.
Minister:
Absoluter Blödsinn. Diese Regelung trat im August 2004 in Kraft. Eine gute Regelung übrigens, denn sie macht unsere Jugendlichen gegenüber der internationalen Konkurrenz wettbewerbsfähiger, weil sie jetzt auch früher in Studium und Ausbildung kommen. Das war's dann wohl?
Websatiren:
Nicht ganz. Diese Regelung trat zwar 2004 in Kraft, tritt aber jetzt mit aller Kraft zurück.
Minister:
Zurücktreten? Dazu sehe ich nicht die geringste Veranlassung.
Websatiren:
Nicht Sie sollen zurücktreten... obwohl, wenn Sie selber schon auf die Idee kommen? Na, sei's drum. Nein, auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, Sie müssen in diesem Jahr doppelt so viele Schulabgänger verwalten, wie sonst. Wo sollen die denn alle hin?
Minister;
Na dahin, wo sie sonst auch hingehen; in die Unis und in die Ausbildung. Ich verstehe die Frage nicht. Die müssen sich halt kümmern. Wie Sie selber ganz richtig bemerkten, ist dies Problem ja lange genug bekannt. Ein Staat kann nur funktionieren, wenn nicht nur die Politik ihre Hausaufgaben macht, sondern auch der mündige Bürger seinen Teil dazu beiträgt.
Websatiren:
Hört hört! Was würden Sie sagen, wenn diese gerade erst mündig gewordenen Bürger Ihnen Ihre sogenannten Hausaufgaben mit dem dicken roten Vermerk 'Versetzung gefährdet' nicht nur zurückgeben, sondern auch noch um die Ohren schlagen?
Minister:
Wo kommen wir hin, wenn der Ton den Töpfer tadelt?
Websatiren:
Aha, jetzt wird es biblisch. Können wir auch. Wie wäre es damit: 'Ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zum Zorn?'
Minister:
Wo steht das?
Websatiren:
Epheser 6, Vers 4
Minister:
Na gut! Natürlich ist uns die Situation bewusst und die Regierung wird alles tun, um den Schaden so gering wie möglich zu halten. Das sind unsere Bürger so von uns gewöhnt und das sind wir ihnen schuldig. Aber es muss auch deutlich erkannt werden, dass notwendige Reformen - und hier handelt es sich um eine solche - das Miteinander aller Betroffenen fordert. Gemeinsam anpacken, damit es uns allen besser geht. Damit ist ja wohl alles gesagt?
Websatiren:
Von ihrer Seite sicher. Aber das Problem ist noch nicht gelöst.
Minister:
Welches Problem?
Websatiren:
Das Problem der 70.000.
Minister:
Eben waren es noch 71.000.
Websatiren:
Unsere Leser mögen glatte Zahlen.
Minister:
Sehen sie mal an. Aber von mir erwarten sie, dass ich jetzt eine glatte Lösung aus dem Ärmel schüttel.
Websatiren:
Wieso Lösung? Eben haben sie noch von Schadensbegrenzung geredet.
Minister:
Wie dem auch sei. Diese Maßnahme setzt bundesweite Signale. Auch an die Wirtschaft, die jetzt wieder auf die Jugend setzt. Der Aufschwung wird sich einstellen, der Stellenmarkt wird sich beruhigen und spätestens 2010 werden die Unternehmer froh sein, dass es genügend Bewerber geben wird. Haben wir alles durchgerechnet.
Websatiren:
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Minister:
Hate es ihnen die Sprache verschlagen? Keine schlauen Bibelzitate mehr?
Websatiren:
Nein, aber von Martin Luther. Nur um meinen ungebrochenen Optimismus unter Beweiws zu stellen.
Minister:
Und das lautet?
Websatiren:
Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt in tausend Stücke zerspringt, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen. Minister, wir danken ihnen für dieses Gespräch.

© 2007 Erwin Grab